Logo der Kommission

„… ein wahrhaft patriotisches Werk der österreichischen Geschichtsforschung...“

„… ein wahrhaft patriotisches Werk der österreichischen Geschichtsforschung…“

Die Edition der Tagebücher Joseph Maria Baernreithers (1845-1925)

Im Rahmen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs wird unter der Leitung von Dr. Franz Adlgasser eine Gesamtedition der Tagebücher des Politikers Joseph Maria Baernreither (1845-1925) erstellt.

Der Jurist und spätere Landesgerichtsrat J. M. Baernreither war ab 1878 Mitglied des böhmischen Landtages (Großgrundbesitz), 1885 bis 1907 Abgeordneter des österreichischen Reichsrates (Verfassungstreuer Großgrundbesitz) und von 1907 bis 1918 Mitglied des österreichischen Herrenhauses. 1898 fungierte er im Ministerium Thun als österreichischer Handelsminister, 1916/17 wurde er im Kabinett Clam-Martinic als Minister ohne Portefeuille mit der Errichtung des Ministeriums für Soziale Fürsorge betraut.

Baernreithers Tagebücher sind Teil seines umfangreichen, im Haus-, Hof- und Staatsarchiv aufbewahrten Nachlasses. Sie geben – von 1897 bis 1918 durchgehend – sein politisches Wirken und Erleben wieder und stellen somit eine erstrangige Quelle zur Geschichte der österreichischen Politik jener Jahre dar. Zunächst im Rückblick auf mehrere Monate verfasst, beginnen die Eintragungen ab ca. 1903/04 Tagebuchcharakter zu gewinnen, obgleich Baernreither immer wieder auf die Form thematischer Rückblicke zurückgreift.

Baernreither bereitete selbst in den Jahren 1921 bis 1925 eine Veröffentlichung seiner Tagebücher vor, die er in elf maschinschriftlichen Bänden, als „Fragmente eines politischen Tagebuches“ betitelt, anhand seiner Tagebücher redigierte. In seinem Testament verfügte er die Ministerkollegen Josef Redlich (1869-1936) und Karl Urban (1855-1940) sowie den damaligen Direktor des HHStA Oskar von Mitis (1874-1955) als Erben seines schriftlichen Nachlasses, die, durch ein Legat finanziert, seine bereits redigierten Tagebücher veröffentlichen sollten.

Dieses sogenannte „Baernreither-Kuratorium“ publizierte in den Jahren 1928 bis 1939 die „Fragmente eines politischen Tagebuches“ in den nach thematischen Gesichtspunkten getrennten Editionen „Die südslawische Frage und Österreich-Ungarn vor dem Weltkrieg“ (ed. Josef Redlich, Berlin 1928), „Römisches Tagebuch“ (ed. Josef Redlich, Berlin 1929) und „Der Verfall des Habsburgerreiches und die Deutschen. Fragmente eines politischen Tagebuches 1897-1917“ (ed. Oskar Mitis, Wien 1938).

Diese Editionen stellen somit eine Auswahl an Textstellen aus Baernreithers Tagebüchern dar. Spuren dieser Redaktionsarbeit Baernreithers finden sich in den Originaltagebüchern, die nun in ihrem gesamten ursprünglichen Text veröffentlicht werden sollen (mit Ausweis der späteren Ergänzungen und Korrekturen Baernreithers).

Darüber hinaus werden auch jene Tagebuchtexte, die Baernreither im Zug seiner Reisen ab 1872 niedergeschrieben hatte, sowie die im Faszikel „Einzelne Tagebuchnotizen und Bruchstücke von Tagebüchern“ und anderen Stellen erhaltenen datierten Notizen und Eintragungen, die bis in das Jahr 1924 reichen, in den Editionstext aufgenommen.

Kontakt: Mag. Doris A. Corradini Email
Dr. Franz Adlgasser Email