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„… ein wahrhaft patriotisches Werk der österreichischen Geschichtsforschung...“

„… ein wahrhaft patriotisches Werk der österreichischen Geschichtsforschung…“

Materialen zur Geschichte des konservativen Großgrundbesitzes in den böhmischen Ländern

Der Wiener Archivar und Historiker Ernst Rutkowski hat aus seiner riesigen Sammlung von Dokumenten zur Politik des österreichischen Großgrundbesitzes in der Spätphase der Habsburgermonarchie, die er vornehmlich in böhmischen und mährischen Adelsarchiven zusammengestellt hat, zwei Bände zur Geschichte der verfassungstreuen Gruppe in den Veröffentlichungen des Collegium Carolinum publiziert: Briefe und Dokumente zur Geschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie unter besonderer Berücksichtigung des böhmisch-mährischen Raumes. Teil I und II: Der Verfassungstreue Großgrundbesitz 1880-1904, München 1983 und 1991. Ein dritter Teil, der die Jahre 1905-08 umfasst, liegt seit Jahren zur Bearbeitung beim Collegium Carolinum in München, ein Zeitpunkt der Veröffentlichung ist jedoch nicht abzusehen.

Die ebenso große Sammlung von Dokumenten zur “anderen” Seite des Großgrundbesitzes, des konservativen Adels der böhmischen Länder, übergab Ernst Rutkowski im Jahr 2003 an die Kommission für Neuere Geschichte Österreichs. Es handelt sich um etwa 14.000 Blatt von Korrespondenzen der wichtigsten Vertreter des konservativen Adels sowie diese ergänzende Dokumente.

Entscheidende Bestände sind dabei etwa die Korrespondenz der Brüder Franz und Jaroslav Thun-Hohenstein, Ersterer Statthalter von Böhmen 1889-1896 und 1911-1915, österreichischer Ministerpräsident 1898-1899, Zweiterer Mitglied des böhmischen (1895-1902) und mährischen Landtags (1906-1908) und des österreichischen Abgeordnetenhauses (1907-1911) sowie Schwager von Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand, aus dem Familienarchiv Thun-Hohenstein im tschechischen Děčín/Tetschen. Von besonderem Interesse sind aber auch die Korrespondenzen der Familien Lobkowicz, Schwarzenberg, Silva-Tarouca und Parish. Diese Materialien der Sammlung Rutkowski wurden in den letzten Jahren um weitere Dokumente aus dem Windisch-Graetz-Archiv in Klattovy sowie vor allem um die Korrespondenz Serenyi-Spiegel in Brünn ergänzt und erweitert.

Für die weitere Bearbeitung bietet sich eine Gliederung in fünf Teile an: Von den Verhandlungen um einen böhmischen Ausgleich 1889/90 bis 1893; Die Jahre der Badeni Krise; Die Phase bis zur Wahlreform 1907; Die Verhandlungen um einen neuen böhmischen Ausgleich bis zum Annenpatent 1913; Der Erste Weltkrieg.

Der Erkenntnisgewinn, der sich aus dem Material ergibt, ist vielleicht noch größer als bei den vorliegenden Bänden Rutkowskis zum verfassungstreuen Großgrundbesitz, weil auf der konservativen Seite auch entscheidende Blicke hinter die Kulissen der tschechischen Politik zu erwarten sind. An die Analyse von Entscheidungsmechanismen und Netzwerken lässt sich die Frage anknüpfen, ob und inwieweit die „alten Eliten“ im Zeichen der Krise des cisleithanischen und böhmischen Parlamentarismus ab der Jahrhundertwende allenfalls eine azyklische Aufwertung erfahren haben.

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