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„… ein wahrhaft patriotisches Werk der österreichischen Geschichtsforschung...“

„… ein wahrhaft patriotisches Werk der österreichischen Geschichtsforschung…“

Korrespondenzen österreichischer Herrscher

Familienkorrespondenz Ferdinand I.

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Die Edition der Korrespondenzen österreichischer Herrscher wurde als eines der ersten Forschungsprojekte der Kommission begonnen. Ihre Ergebnisse werden in der Unterreihe Korrespondenzen österreichischer Herrscher der Veröffentlichungen der Kommission publiziert.

Von der Familienkorrespondenz Maximilian II. erschienen in zwei Bänden die Jahre 1564 bis 1567, ehe die Arbeiten an diesem Teil noch in den 1920er Jahren eingestellt wurden.

Dagegen werden die Arbeiten an der Familienkorrespondenz Ferdinand I., wenn auch mit längeren Unterbrechungen, bis heute fortgesetzt. Bisher erschien in vier Bänden die Korrespondenz der Jahre 1514 bis 1534.

Nach seiner Ernennung zum Professor für Iberoromanische Literaturwissenschaft an der Universität Salzburg im Jahr 2004 nahm Christopher Laferl, einer der Bearbeiter des letzten, 2000 erschienenen Bandes, die Arbeiten auf eigene Initiative wieder auf. Seither erfolgt die Erarbeitung der Korrespondenz Ferdinand I. unter seiner Leitung im Rahmen von Forschungsprojekten und über Finanzierung des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. Dabei wird an die bereits bestehende Edition zwischen Ferdinand I. und seinen Geschwistern Karl V. und Maria von Ungarn angeschlossen und chronologisch weiterführend die Korrespondenz ab 1535 bearbeitet.

Zunächst wurden die Sichtung und Datenerhebung der in den verschiedenen Archiven befindlichen Dokumente des gesamten Korrespondenzzeitraums (d.h. der Jahre 1535 bis 1564) sowie deren Sortierung und Klassifizierung in einer Datenbank durchgeführt. Anschließend begann die editorische Bearbeitung des Briefmaterials aus den Jahren 1535 und 1536, wobei hier zunächst das Einlesen in die schwierigen Handschriften der Korrespondenzpartner und ihrer Sekretäre im Zentrum stand. In einem weiteren Schritt erfolgte eine syntaktische, lexikalische und editorische Aufbereitung der Texte, die die Erstellung resümierender Kurzfassungen in Form von Regesten ermöglichte. Begleitet wurde diese inhaltliche Bearbeitung stets von einer Recherche nach historisch wesentlichen Hintergrundinformationen, was sich bisweilen hinsichtlich der Dichte an historisch relevanten Fakten als besonders langwierig herausgestellt hat. Die fertig transkribierten Briefe der beiden Jahrgänge 1535 und 1536 wurden schließlich ausführlich kommentiert und werden zur Zeit für den Druck vorbereitet.

Wie aufgrund des in den vorangegangenen Bänden freigelegten Informationsreichtums der Korrespondenz aus den Jahren 1514 bis 1534 bereits zu erwarten war, halten auch die Jahrgänge 1535 und 1536 interessante Details zu den wichtigsten politischen Problemkreisen der drei Korrespondenzpartner bereit. Sie beinhalten etwa wichtige Informationen zum Tunesienfeldzug Karls V. und zu seinem anschließenden Aufenthalt in Neapel, auch sein Treffen mit dem neu gewählten Papst Paul III. wird ausführlich thematisiert. In diesem Zusammenhang geht es, wie auch in den Jahren davor, um die Abhaltung des Konzils, das 1537 nach Mantua einberufen wurde, ohne zu diesem Zeitpunkt und an diesem Ort dann allerdings auch tatsächlich stattzufinden.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Franz I. und Karl V., hier vor allem der Einfall der französischen Truppen in Savoyen, auf den der Provencefeldzug Karls folgte, inklusive der Unterstützung durch Ferdinand, sind ebenfalls ein großes Thema der Korrespondenz, genauso wie Ferdinands Verhandlungen mit Jan Zápolyai, zu dem schließlich der treue habsburgische Unterhändler Johann Weeze, Erzbischof von Lund, entsandt wurde, der trotz intensiver Bemühungen – wie so oft in dieser Frage – nur geringe Erfolge erzielen konnte.

In den Briefen Marias geht es vorwiegend über ihre als unerfreulich charakterisierte Situation in den Niederlanden, die auch unter den Brüdern besprochen wird, sowie über die Geschehnisse in Geldern und Dänemark. Die Vorgänge rund um die Täufer in Münster werden von ihr ebenso thematisiert.

Auch die Württemberg-Frage ist trotz des Abschlusses des Vertrages von Kaaden immer noch zentrales Thema der Korrespondenz (in engem Zusammenhang dazu stehen auch die Versuche Ferdinands, den Schwäbischen Bund wieder zu beleben), genauso wie die konfessionelle Frage, mit der sich die drei Korrespondenzpartner auch in diesen beiden Jahrgängen intensiv auseinanderzusetzen hatten.

Die Arbeit an der Familienkorrespondenz erfordert ein hohes Maß an geschichts- und sprachwissenschaftlichen Kompetenzen, die von allen bisherigen BearbeiterInnen mühevoll erworben werden mussten. Das trifft auch für die ProjektmitarbeiterInnen der letzten Jahre zu, die sich dieser Herausforderung mit viel Freude und Engagement gestellt haben.

Nach Abschluss der Arbeiten an den Jahren 1535-1536 ist derzeit die Korrespondenz der Jahre 1537-1540 in Bearbeitung. Angesichts der Materialfülle (393 Briefe und somit etwa das Doppelte der Briefzahl der Jahre 1535-1536) ist dieses Vorhaben sicherlich ambitioniert, es scheint aber aufgrund der mittlerweile guten Kenntnis des Quellenmaterials und der paläographischen Routine des Bearbeiters durchaus realisierbar.

Was die Themenbereiche betrifft, so werden die in den Jahren 1537–1540 in der Familienkorrespondenz diskutierten Ereignisse wohl ganz im Zeichen der “innenpolitischen” Auseinandersetzung mit den evangelischen Reichsständen, den “außenpolitischen” Beziehungen zu Frankreich und dem Osmanischen Reich sowie der weiterhin strittigen Herrschaftsansprüche von Ferdinand und Zápolyai in Ungarn stehen. Ein wichtiges Thema in der Korrespondenz werden wohl auch die problematische Zweitehe von Landgraf Philipp von Hessen und die damit in Zusammenhang stehenden Geheimverhandlungen mit Karl sein. Und nicht zuletzt darf man auch neue Gesichtspunkte zur Nachfolgefrage in Geldern erwarten, als Herzog Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg, ein entschiedener Parteigänger Frankreichs, nach dem Tod Herzog Karls I. 1538 dort die Macht übernahm.

Die aus der Bearbeitung der Jahre 1535-1536 gewonnenen Erkenntnisse der Korrespondenz Ferdinands I. sowie die historische Brisanz der auch im Briefwechsel des Zeitraums 1537-40 zu erwartenden Themenbereiche zeigen einmal mehr, dass eine Fortsetzung der bisher geleisteten Arbeit aus geschichtswissenschaftlicher Sicht unbedingt notwendig ist.

Projektmitarbeiter: Mag. Harald Kufner

Kontakt: Externer LinkUniv. Prof. Dr. Christopher Laferl