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„… ein wahrhaft patriotisches Werk der österreichischen Geschichtsforschung...“

„… ein wahrhaft patriotisches Werk der österreichischen Geschichtsforschung…“

“… ein wahrhaft patriotisches Werk der österreichischen Geschichtsforschung, das unserem Staate zur Ehre gereichen könnte”

Zur Geschichte der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs

Am 25. Oktober 1896 machte der Grazer Historiker Hans von Zwiedineck-Südenhorst seinem Wiener Kollegen und Direktor des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Engelbert Mühlbacher, den Vorschlag zur Gründung einer Kommission zur Herausgabe der Korrespondenzen österreichischer Staatsmänner des 17. und 18. Jahrhunderts. Diese Idee war die Grundlage der mit einem Erlass des Ministeriums für Cultus und Unterricht ein Jahr später, am 22. November 1897, zunächst als “Provisorische Commission für die Herausgabe von Acten und Correspondenzen zur neueren Geschichte Österreichs” eingerichteten Institution. Drei Jahre später, am 10. November 1900, erfolgte die Umwandlung in eine definitive Kommission. Mit der konstituierenden Sitzung am 19. Februar 1901 nahm sie offiziell ihre Arbeit auf. Seit 1903 heißt sie “Kommission für Neuere Geschichte Österreichs”, am 23. März 1903 genehmigte das Unterrichtsministerium die Änderung des Namens. Über die folgenden neunzig Jahre blieb die Kommission über alle politischen Wandlungen hinweg als eine beim jeweiligen für die Wissenschaften zuständigen Ministerium eingerichtete Forschungseinrichtung bestehen. Das Ministerium ernannte die Mitglieder für eine jeweils fünfjährige Funktionsperiode. Im Jahr 1991 erfolgte die Umwandlung in die heutige rechtliche Form eines Vereins. Die letzte Sitzung der “alten” und die konstituierende Sitzung der “neuen” Kommission fanden am 19. Juni 1991 statt.

Zum Vorsitzenden der provisorischen und ersten Obmann der definitiven Kommission wurde Antonín Rezek (1853-1909) bestellt, seit 1886 o. Professor für österreichische Geschichte an der tschechischen Universität Prag, 1896 als Ministerialrat ins Unterrichtsministerium einberufen (1897 Sektionschef) und von 1900 bis 1903 Minister ohne Portefeuille (tschechischer Landsmannminister) im Kabinett Koerber. Er trat am 21. Oktober 1902 zurück, da die “politischen Verhältnisse … meine Zeit und meine Arbeitskraft voll in Anspruch” nahmen, wie er es in seinem Resignationsschreiben formulierte. Ihm folgte als Vorsitzender Prinz Franz Liechtenstein (1853-1938), der 1929 als Obmann ausschied, als er als Fürst die Regierung des Fürstentums Liechtenstein und die Verwaltung der Güter des Fürstenhauses übernahm. Er blieb der einzige Nichthistoriker an der Spitze der Kommission. Ihm folgten in der Leitung die Wiener Universitätsprofessoren Oswald Redlich (1930-1937), Heinrich Srbik (1937-1945), Hugo Hantsch (1947-1967), Erich Zöllner (1967-1984) und Gerald Stourzh (1984-1990). Von 1990 bis 2007 war Fritz Fellner, bis zu seiner Emeritierung 1993 o. Professor für Allgemeine Neuere Geschichte an der Universität Salzburg, Vorsitzender der alten und Obmann der neuen Kommission. Seit 2008 steht Brigitte Mazohl, o. Professorin für österreichische Geschichte an der Universität Innsbruck, an der Spitze der Kommission.

Ausgehend von der 2001 als Band 91 der Veröffentlichungen erschienenen Geschichte der Kommission von Fritz Fellner (“… ein wahrhaft patriotisches Werk”. Die Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 1897-2000) lassen sich zwölf Phasen in den nunmehr über 110 Jahren ihres Bestehens unterscheiden:

  • Gründungsphase 1896-1903
  • Aufbaujahre 1903-1907
  • Jahre der Projektrealisierung 1907-1918
  • Dunkle Jahre 1919-1929
  • Neugründung 1929-1938
  • Forschungen zur österreichischen Geschichte im Großdeutschen Reich 1938-1945
  • Formelle Neukonstituierung bei Kontinuität der wissenschaftlichen Ziele 1946-1947
  • Ära Hantsch 1947-1967
  • Publikationsorgan statt Forschungsinstitution 1967-1984
  • Umwandlung in einen Verein 1985-1991
  • Ära Fellner 1991-2007
  • Arbeit seit 2008

Die treibende Kraft hinter der Gründung der Kommission war Hans von Zwiedineck-Südenhorst (1845-1906), seit 1885 ao., 1898 tit. o., 1906 o. Professor für Allgemeine und Neuere Geschichte an der Universität Graz und 1880-1900 Direktor der steiermärkischen Landesbibliothek am Joanneum. Von ihm stammten alle Berichte, Entwürfe und Programmvorschläge in der Gründungsphase der Kommission. Nach außen vertrat die Kommission aber zunächst Engelbert Mühlbacher Can.Reg. (1843-1903), 1881 ao., seit 1896 o. Professor für Geschichte des Mittelalters und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Wien und zugleich Direktor des Instituts für österreichische Geschichtsforschung. An der Gründungsversammlung der vorbereitenden Kommission am 23. Juni 1897 nahmen teil: Die Archivare Alfred Ritter von Arneth (Direktor des Haus-, Hof- und Staatsarchivs), Thomas Fellner (Direktor des Archivs des Innenministeriums), Leander von Wetzer (Direktor des Kriegsarchivs) und Gustav Winter (Vizedirektor und seit dem Tod Arneths im Juli 1897 Direktor des HHStA), Antonín Rezek, Adolf Beer, der als Professor für Allgemeine und Österreichische Geschichte an der Technischen Hochschule Wien wegen seiner politischen Tätigkeit als Reichsratsabgeordneter seit langem beurlaubt und soeben zum Herrenhausmitglied ernannt worden war, und die Wiener Historiker Mühlbacher, Alfons Dopsch (Dozent für Österr. Geschichte und Historische Hilfswissenschaften), Alfons Huber (o. Prof. für Allgemeine und Österr. Geschichte), Josef Konstantin Jirecek (o. Prof. für slawische Philologie und Altertumskunde), Alfred Francis Pribram (ao. Prof. für Mittelalterliche und Neuere Geschichte), Oswald Redlich (o. Prof. für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften), und Mühlbachers Vorgänger als Direktor des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Heinrich Ritter von Zeißberg (o. Prof. für Österr. Geschichte). Zwiedineck war als einziger der Teilnehmer nicht in Wien tätig. Außer den beiden Tschechen Rezek und Jirecek waren keine Vertreter der nichtdeutschen Nationalitäten und außer Zwiedineck auch keine Repräsentanten der universitären und sonstigen historischen Institutionen und Archive außerhalb Wiens in dieser Versammlung vertreten. In einer weiteren, kurzfristig einberufenen Sitzung am 29. Jänner 1898, an der nur die Archivare Fellner und Winter sowie die Professoren Huber, Mühlbacher, Pribram, Redlich und Zwiedineck teilnahmen, wurde ein erstes Arbeitsprogramm verabschiedet. Weiters beschloss man, den Schriftverkehr über die Direktion des Instituts für österreichische Geschichtsforschung abzuwickeln, womit eine bis 1930 dauernde institutionelle Verbindung geschaffen wurde.

Der provisorischen Kommission gehörten schließlich als Mitglieder an:

  • Antonín Rezek (seit 23. März 1899 offiziell Vorsitzender)
  • Engelbert Mühlbacher (Geschäftsführer)
  • Adolf Beer
  • Alfons Dopsch
  • Thomas Fellner
  • Josef Konstantin Jirecek
  • Alfred Francis Pribram
  • Oswald Redlich
  • Leander von Wetzer
  • Gustav Winter
  • Hans von Zwiedineck-Südenhorst

Am 12. April 1900 legte Engelbert Mühlbacher als Geschäftsführer dem Unterrichtsministerium eine erste Übersicht über die bisherigen Leistungen vor und beantragte die Umwandlung in eine definitive Kommission. Die Mitglieder der ersten fünfjährigen Funktionsperiode wurden schließlich über Vorschlag der provisorischen Kommission am 29. August 1900 vom Minister ernannt. Neben sämtlichen wiederbestellten bisherigen Mitgliedern gehörten der definitiven Kommission an:

  • August Fournier, o. Prof. für Allgemeine Geschichte Technische Hochschule Wien
  • Jaroslav Goll, o. Prof. für Mittlere und Neuere Geschichte tschechische Univ. Prag
  • Josef Hirn, o. Prof. für Österr. Geschichte Univ. Wien, zugleich Vertreter des Ministeriums
  • Emil von Ottenthal, o. Prof. für Allgemeine Geschichte Univ. Innsbruck
  • Ottokar Weber, o. Professor für Neuere Geschichte deutsche Univ. Prag

Eine vom Ministerium gewünschte Erweiterung um ein polnisches Mitglied wurde von der daran nicht interessierten Kommission mit dem Gegenvorschlag, auch Vertreter weiterer bisher nicht vertretener Kronländer aufzunehmen, aber dafür auch die finanzielle Dotierung der Kommission entsprechend dem erhöhten Aufwand für Reisekosten und Diäten zu erhöhen, zunächst erfolgreich bekämpft. Zu einer geographischen Erweiterung kam es danach erstmals 1904 durch die Ernennung des Archivars am mährischen Landesarchiv Berthold Bretholz. Erst der 1916 ernannten Kommission gehörte mit dem Lemberger Professor und Abgeordneten zum Reichsrat Bronislaw Dembinski auch ein Pole an. Sowohl Dembinski als auch die Mitglieder aus den böhmischen Ländern Bretholz, Goll und Weber schieden mit der Auflösung der Monarchie Ende 1918 aus der Kommission aus.

Die Forschungsarbeit der Kommission war zunächst fixiert auf die Erfassung und Erschließung der Bestände bedeutender Adelsarchive, die Edition der Korrespondenzen österreichischer Herrscher und die Publikation der Staatsverträge. Sehr bald wurde als weiteres Feld die Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte angeregt, woraus mit der Geschichte der österreichischen Zentralverwaltung eines der erfolgreichsten Forschungsvorhaben der Kommission entstand. Im Frühjahr 1901 wurde schließlich mit Oskar Freiherr von Mitis der erste Sekretär der Kommission bestellt.

Schon vor dem Rücktritt Rezeks hatte Mühlbacher die Aufnahme von Prinz Franz Liechtenstein angeregt, der sich in seiner Zeit als Botschafter in St. Petersburg von 1894 bis 1898 einen Namen als Förderer historischer Forschungen gemacht hatte. Hinter dieser Idee steckten sowohl Überlegungen, den Einfluss Liechtensteins für die Öffnung von Adelsarchiven für die Forschung zu nutzen, als auch Hoffnungen, der Prinz würde die Arbeiten der Kommission finanziell sowohl durch eigene Mittel wie auch durch die Erschließung weiterer adeliger Geldquellen unterstützen. Im Jänner 1903 wurde Liechtenstein dem Ministerium als neues Mitglied vorgeschlagen und nach dessen Zustimmung Ende Februar 1903 zum Vorsitzenden gewählt. Tatsächlich bemühte sich Prinz Liechtenstein in den folgenden Jahren erfolgreich um die Erschließung zusätzlicher Mittel für die Kommission, sowohl aus privaten als auch aus staatlichen Quellen. 1904 gründete er als Förderverein die “Gesellschaft für neuere Geschichte Österreichs”, der als Stifter neben zehn Erzherzögen zahlreiche Mitglieder des Hochadels beitraten. Der Erste Weltkrieg und der Untergang der Monarchie bedeuteten auch das Ende dieser Initiative.

Auch in der Geschäftsführung der Kommission ergab sich kurz nach der Bestellung Liechtensteins eine Änderung. Mit 1. April 1904 übersiedelte Emil Ottenthal aus Innsbruck nach Wien, um als Nachfolger des im Juli 1903 verstorbenen Engelbert Mühlbacher den Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte und die Direktion des Instituts für österreichische Geschichtsforschung zu übernehmen und damit auch entsprechend den Statuten die Kommission für Neuere Geschichte Österreichs zu leiten. Interimsmäßig hatte Oswald Redlich die Geschäfte geführt. Kurz nach der Ernennung Ottenthals wurde Heinrich von Srbik an Stelle von Mitis zum Sekretär der Kommission ernannt.

Die Publikationstätigkeit der Kommission als Ergebnis der Forschungsprojekte hatte bereits 1903 eingesetzt. Als erster Band erschien das von Ludwig Bittner zusammengestellte Verzeichnis der österreichischen Staatsverträge von 1526 bis 1763, dem bis 1917 drei weitere, ebenfalls von Bittner stammende Bände folgten, worin die Staatsverträge bis 1914 verzeichnet waren. Bittner hatte dafür bereits 1901 ein Honorar von 600 Kronen erhalten, außerdem wurden ihm die Autorenhonorare überlassen. Weiters erschienen von 1907 bis 1913 zwei von Alfred Francis Pribram bearbeitete Bände der Staatsverträge mit England (1526-1847), ein Band der Verträge mit Siebenbürgen 1526-1690 von Roderich Gooß und ein von Srbik bearbeiteter Band der Verträge mit den Niederlanden bis 1722. Sowohl Gooß als auch Srbik wurden für diese Arbeiten von der Kommission auf Teilzeitbasis angestellt.

Ebenfalls vor dem Ersten Weltkrieg erschienen die ersten drei Bände der Österreichischen Zentralverwaltung für den Zeitraum 1491 bis 1749. Die Bände wurden vom Initiator des Projekts, dem Direktor des Archivs des Innenministeriums Thomas Fellner, konzipiert und nach dessen Tod im April 1904 von seinem Nachfolger als Direktor und seit 1906 auch als Mitglied der Kommission, Heinrich Kretschmayr, fertiggestellt.

Auch die Edition der Korrespondenzen österreichischer Herrscher führte zu ersten Ergebnissen. 1912 erschien die von Wilhelm Bauer bearbeitete Familienkorrespondenz Ferdinands I. bis 1526, und 1916 der von Viktor Bibl edierte erste Band der Korrespondenz Maximilians II. Der zweite – und bisher letzte – Band der Maximilian-Korrespondenz erschien 1921, ebenfalls bearbeitet von Bibl. Sowohl Bauer als auch Bibl wurden für ihre Arbeiten von der Kommission zumindest einige Zeit angestellt.

Als erstes Ergebnis jenes Projekts, das ursprünglich zur Gründung der Kommission geführt hatte, erschienen 1913 als Band 1 der Archivalien zur Neueren Geschichte Österreichs auf über 700 Seiten 34 Berichte über die Bestände böhmischer und mährischer Adelsarchive. Es handelte sich um Auftragsarbeiten der Kommission “als notwendige Vorarbeit für ihre Tätigkeit”, wie es im Vorwort hieß, die nunmehr “auch weiteren wissenschaftlichen Kreisen zugänglich gemacht werden sollten.” Als Ergebnis des Vorhabens, in weiteren Bänden die “Archivberichte nach einzelnen Ländern einheitlich zusammenzufassen”, erschien nur mehr ein einziges schmales Heft. 1932 wurde als Band 28 der Veröffentlichungen der Katalog des Graf Goëssischen Familienarchivs auf 50 Seiten, gemeinsam mit einer Edition der Erinnerungen Adolf von Tschabuschniggs aus seiner Zeit als Justizminister 1870-1871 (bearbeitet von Salomon Frankfurter) herausgegeben.

Das Ende des Ersten Weltkriegs bedeutete auch die weitgehende Einstellung der Publikations- und Forschungstätigkeit der Kommission. Die Existenz der Institution in ihrer bisherigen Form wurde zwar nicht in Frage gestellt, sie wurde aber auch nicht erneuert oder den neuen Umständen angepasst. Die Berichte der Kommission gingen nun an das neue (deutsch-)österreichische Staatsamt für Unterricht, und die bisherige Subvention wurde auch für die Jahre 1919 und 1920 ausbezahlt. Eine Eingabe Ottenthals vom Dezember 1920 an das nunmehrige Bundesministerium für Unterricht über eine Neubestellung der Mitglieder der Kommission mit entsprechenden Vorschlägen blieb unbeantwortet, auch eine finanzielle Unterstützung ist nach 1921 nicht mehr feststellbar. Allerdings schien die Kommission weiterhin bis 1929 im österreichischen Amtskalender mit unveränderten Funktionären (Vorsitzender Liechtenstein, Stellvertreter Ottenthal, Geschäftsausschuss Dopsch, Ottenthal, Redlich) auf. Als einzige nach außen erkennbare Aktivitäten in diesem Zeitraum sind die Publikationen des bereits erwähnten zweiten Bandes der Maximilian-Korrespondenz (1921) und eines weiteren Bandes der Österreichischen Zentralverwaltung im Jahr 1925 zu erwähnen. Der Druck dieses Bandes wurde durch eine indirekte Subvention der tschechoslowakischen Regierung (Abnahmegarantie von 150 Exemplaren) ermöglicht.

Hinter den Kulissen wurde jedoch spätestens seit 1925 an einer Wiederbelebung der Kommission gearbeitet. Treibende Kraft war der frühere Sekretär der Kommission und nunmehrige Professor für Allgemeine Geschichte der Neuzeit an der Universität Wien, Heinrich Srbik. Das Hauptanliegen war die Publikation der österreichisch-ungarischen Akten zur Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs als Beitrag zur Kriegsschulddebatte. Ein entsprechender Vertrag mit dem österreichischen Bundesverlag wurde am 1. Oktober 1926 abgeschlossen. Für die Wiederbelebung der Kommission war es schließlich ein Glücksfall, dass Srbik im Oktober 1929 zum Unterrichtsminister berufen wurde. Mit einem Erlass vom 17. Juni 1930 reaktivierte er die Kommission, ernannte ihre Mitglieder für eine neue fünfjährige Periode und stellte eine jährliche Subvention sowie eine zeitgemäße Reform der Statuten in Aussicht.

Mitglieder der neuen Kommission waren neben Oswald Redlich, seit 1919 auch Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, als Geschäftsführer, weiterhin aus der letzten “kaiserlichen” Kommission Dopsch, Kretschmayr, Ottenthal (er starb 1931), Pribram und Hans Voltelini (Prof. für Deutsches Recht und Österr. Reichsgeschichte Univ. Wien; Mitglied seit 1909). Dazu kamen der ehemalige Mitarbeiter der Kommission Ludwig Bittner (seit 1926 Direktor des Haus-, Hof- und Staatsarchivs), Hans Hirsch (Prof. für Geschichte des Mittelalters und Historische Hilfswissenschaften in Wien und seit 1929 Direktor des Instituts für österreichische Geschichtsforschung) und Hans Uebersberger (Prof. für Osteuropäische Geschichte Univ. Wien). Auch Uebersberger, ein früherer Protegé von Prinz Liechtenstein, war seit langem mit der Kommission verbunden. 1906 war seine Arbeit “Österreich und Rußland seit dem Ende des 15. Jahrhunderts. Bd. 1 (1488-1605)” als Band 2 der Veröffentlichungen erschienen. Im Oktober 1930, wenige Tage nach seinem Ausscheiden als Minister, wurde auch Srbik zum Mitglied ernannt. Ihm folgten 1931 auf Vorschlag der Kommission Wilhelm Bauer, nunmehr Professor für Allgemeine Neuere Geschichte an der Universität Wien, Hanns Schlitter, 1913 bis 1918 Direktor des Haus-, Hof- und Staatsarchivs und als solcher von 1916 an bereits Mitglied der Kommission, und Edmund Glaise-Horstenau, Direktor des Kriegsarchivs. Uebersberger schied 1934 nach seiner Berufung an die Universität Breslau aus. Zum Vorsitzenden wurde am 14. März 1931 Oswald Redlich, zu seinem Stellvertreter Heinrich Srbik gewählt. Damit wurde ein entscheidender Schritt zur Verselbständigung der Kommission und ihrer Lösung vom Institut für österreichische Geschichtsforschung gesetzt.

Die österreichische Aktensammlung zur Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs unter dem Titel “Österreich-Ungarns Außenpolitik von der Bosnischen Krise 1908 bis zum Kriegsausbruch 1914″ erschien noch 1930 in acht Bänden und einem Registerband als Bände 19-27 der Veröffentlichungen der Kommission mit dem Zusatz “ausgewählt von Ludwig Bittner, Alfred Francis Pribram, Heinrich Srbik und Hans Uebersberger, bearbeitet von Ludwig Bittner und Hans Uebersberger”. Wie eng die Verbindung mit der Forschung in der Kriegsschuldfrage in Deutschland war, zeigt die Tatsache, dass das deutsche Außenministerium das Werk mit einem Darlehen von 125.000 Reichsmark unterstützte. Unbestritten ist das Aktenwerk aber bis heute neben der Geschichte der österreichischen Zentralverwaltung das erfolgreichste Großprojekt der Kommission und, was die Effizienz der Durchführung anbelangt, ein Glanzlicht der österreichischen Geschichtsforschung.

Die Publikation der Akten zur Vorgeschichte des Weltkriegs bedeutete aber auch darüber hinaus eine Wende in der Forschungsausrichtung der Kommission. Standen bisher die Forschungen zur frühen Neuzeit im Zentrum, so rückten nun mehr und mehr das 19. und frühe 20. Jahrhundert in den Vordergrund. Von den früheren Schwerpunkten wurde die Geschichte der österreichischen Zentralverwaltung wiederaufgenommen, wobei das Problem vor allem darin bestand, dass zahlreiche Vorarbeiten und Materialien beim Justizpalastbrand 1927 vernichtet worden waren. Auch an der Bearbeitung der Ferdinand-Korrespondenz hielt man fest, während die Edition der Korrespondenz Maximilian II. eingestellt wurde. Gleichfalls keine Fortsetzung fand die Staatsvertrags-Reihe, wobei dies mit den fehlenden finanziellen Mitteln begründet wurde. Dagegen begann die Kommission ein Projekt, das der nunmehr treibenden Kraft, Heinrich Srbik, besonders wichtig war: die Bearbeitung des Nachlasses von Graf Leo Thun, Unterrichtsminister der Jahre 1849-1860. Mit der Bearbeitung betraut wurde ein Schüler Srbiks, Taras Borodajkewycz. Die Arbeiten an diesem Projekt wurden in den Jahren des Zweiten Weltkriegs immer mehr eingeschränkt und schließlich nach der Berufung von Borodajkewycz als ao. Professor an die Universität Prag 1942 eingestellt und nach dem Weltkrieg nicht mehr aufgenommen. Erst in den letzten Jahren griff die Kommission dieses Projekt wieder auf. Borodajkewycz lehrte ab 1955 als ao. Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Hochschule für Welthandel (heute Wirtschaftsuniversität) Wien. Die zahlreichen antisemitischen und neonazistischen Aussagen in seinen Vorlesungen wurden 1962 vom heutigen Bundespräsidenten Heinz Fischer in einem Artikel angeklagt. Fischer wurde zunächst 1963 wegen Ehrenbeleidigung verurteilt, nach einer Wiederaufnahme des Verfahrens 1965 aber freigesprochen. Ein Jahr später wurde Borodajkewycz nach einem Disziplinarverfahren zwangspensioniert.

In den Jahren bis zum “Anschluss” Österreichs und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs veröffentlichte die Kommission zwei weitere Bände der Ferdinand-Korrespondenz (1527-1530) sowie zwei Bände der Zentralverwaltung. Der erste dieser beiden Bände wurde wieder von der Prager Regierung durch die garantierte Abnahme von Exemplaren (im Subskriptionspreis von 10.000 tschechoslowakischen Kronen) gefördert. Ein erstes Ergebnis der verstärkten Hinwendung zum 19. Jahrhundert war die Edition der bereits erwähnten Erinnerungen Tschabuschniggs im Band 28 der Veröffentlichungen.

Für die neue Funktionsperiode von 1936 bis 1940 wurde die Kommission in unveränderter Zusammensetzung wiederbestellt, auch der 1936 aus politischen Gründen vorzeitig pensionierte Alfons Dopsch gehörte weiterhin der Kommission an. Eine entscheidende Veränderung ergab sich dagegen mit dem Rücktritt Oswald Redlichs als Vorsitzender in der Sitzung der Kommission am 15. März 1937. Zum neuen Vorsitzenden wurde Heinrich Srbik gewählt, zu seinem Stellvertreter Ludwig Bittner.

Das Ende des selbständigen Österreich schien die Arbeiten der Kommission zunächst nur wenig zu berühren. Zwar förderte die tschechoslowakische Regierung den noch vor dem März 1938 fertiggestellten, aber erst später im Jahr publizierten Band der Österreichischen Zentralverwaltung nicht mehr, dafür erhielt die Kommission eine Subvention des reichsdeutschen Ministeriums für innere und kulturelle Angelegenheiten sowie einen Druckkostenzuschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Im Antrag hatte Srbik geschrieben, der Band zur Entwicklung unter Maria Theresia sei “von gesamtdeutschem Wert, [...] da die Beeinflussung des theresianischen Reformwerks durch das preußische Vorbild ebenso gut wie die Selbständigkeit der österreichischen Schöpfung zur Geltung kommt.”

Gegen Ende des Jahres 1938 entschloss sich Srbik dazu, eine Klärung der Stellung der Kommission unter den geänderten Verhältnissen herbeizuführen. In einem Schreiben an die Wiener Abteilung des Ministeriums für innere und kulturelle Angelegenheiten ersuchte er, der Kommission “ihren Fortbestand im großdeutschen Reich zu genehmigen, [...] und ihr die nötigen finanziellen Mittel für ein gedeihliches Arbeiten zu bewilligen.” Auch sollten die bisherigen Mitglieder und Funktionäre bestätigt werden, jedoch “mit Ausnahme des Professors Pribram.” Der bereits seit 1930 emeritierte Alfred Francis Pribram fiel als einziges Mitglied mit jüdischen Wurzeln unter die Bestimmungen der Nürnberger Rassengesetze und emigrierte zu Beginn des Jahres 1939 nach England. Das Protokollbuch der Kommission vermerkt unter dem Datum 15. Jänner 1939 ein “Dankschreiben an Prof. Pribram anläßlich seines durch Prof. Redlich mündlich mitgeteilten Austritts aus der Kommission”, es sind aber weder Konzept noch Durchschlag des Briefes erhalten.

Nach einer neuerlichen Intervention wurde Srbik im September 1939 schließlich ermächtigt, die Bestätigung der Funktionäre und übrigen Mitglieder der Kommission selbst vorzunehmen. Allerdings forderte das Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung im Frühjahr 1940 eine Umbenennung in “Landesgeschichtliche Kommission für neuere Geschichte der Ostmark” und eine entsprechende Anpassung der Statuten. Srbik wollte jedoch den bisherigen Namen weitgehend beibehalten und beantragte, lediglich das Wort “ehemaliges” vor “Österreich” einzuschieben. Die entsprechenden Änderungen der Satzung der nunmehrigen “Kommission für die neuere Geschichte des ehemaligen Österreich” wurden am 10. September 1940 genehmigt. Die Kommission unterstand unmittelbar dem Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, und ihr Arbeitsbereich umfasste die “neuere äußere und innere Geschichte des ehemaligen Österreich bis zur Gründung des Großdeutschen Reiches.” Gleichzeitig wurden die bisherigen Mitglieder wiederbestellt.

Somit ergaben sich gegenüber der letzten österreichischen Kommission personell folgende Veränderungen: Neben Pribram fehlten die inzwischen verstorbenen Hans Voltelini, Heinrich Kretschmayr und Hans Hirsch. Neu dazu gekommen waren der zu Jahresbeginn 1938 kooptierte Lothar Groß (Direktor des Haus-, Hof- und Staatsarchivs bzw. Vizedirektor des Reichsarchivs Wien, starb 1944) sowie die nunmehr ernannten Otto Brunner (Direktor des Instituts für österreichische Geschichtsforschung und ao., 1941 o. Prof. für Mittelalterliche und Österr. Geschichte an der Univ. Wien), Josef Kallbrunner (Direktor des Hofkammerarchivs) und Josef Karl Mayr (Oberstaatsarchivar und 1944 Direktor des Haus-, Hof- und Staatsarchivs). In den folgenden Jahren kamen als weitere Mitglieder hinzu: 1941 Theodor Mayer, Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Marburg und Direktor des Reichsinstituts für ältere deutsche Geschichtskunde, ein gebürtiger Oberösterreicher; 1943 Leo Santifaller, der in diesem Jahr aus Breslau an die Wiener Universität als Professor für Geschichte des Mittelalters und der Historischen Hilfswissenschaften berufen wurde; 1944 Rudolf Kiszling, Direktor des Heeresarchivs, und Alfred Mell, Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums. Mit der Ausnahme Theodor Mayers blieb die Kommission damit in ihrer personellen Zusammensetzung, was sie seit dem Ende des Ersten Weltkriegs war, nämlich eine rein Wiener Angelegenheit.

Die Jahre des Zweiten Weltkriegs brachten in der Arbeit der Kommission eine Wendung, die sich nach dem Krieg fortsetzen sollte: Die Durchführung eigener Forschungsprojekte und die Veröffentlichung von deren Ergebnissen trat in den Hintergrund zugunsten der Publikation von Monographien, die nicht im Auftrag der Kommission entstanden waren und auch in keinem direkten thematischen Zusammenhang zu ihren Projekten standen. Bis 1945 erschienen so als Bände 33 und 34 (aber unter dem Reihentitel “Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte des ehemaligen Österreich”) die Arbeit von Oswald Gschließer über den Reichshofrat 1559-1806 und Bruno Böhms Bibliographie zu Prinz Eugen und seiner Zeit.

Ein weiteres Projekt wurde jedoch ab 1940 konkret begonnen. Bereits 1913 hatte Alfred Francis Pribram eine Neubearbeitung des biographischen Lexikons des Kaisertums Österreich von Constant von Wurzbach angeregt. Dieser Gedanke wurde Mitte der 1930er Jahre von Heinrich Srbik wiederaufgenommen. Seit 1940 erhielt Hertha Primavesi für ihre Arbeiten am Lexikon jährlich 500 Reichsmark, und das Protokoll der Jahressitzung 1943 erwähnt, dass Alphons Lhotsky, damals Kustos am Kunsthistorischen Museum, als Bearbeiter gewonnen wurde. Dieses Projekt wurde 1946 von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften unter der Führung von Leo Santifaller übernommen, und bis heute sind 60 Lieferungen des “Österreichischen Biographischen Lexikons 1815-1950″ erschienen.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs bedeutete nicht zwangsweise auch das Ende der Kommission. Keine Fassung der Satzungen der Kommission enthielt Bestimmungen über die Beendigung der Tätigkeit oder die Auflösung der Kommission. War jedoch 1918 eine sowohl institutionelle als auch personelle Kontinuität gegeben, so war dies 1945 nicht der Fall. Von den noch vor 1938 ernannten Mitgliedern waren Redlich, Bittner, Groß und Schlitter (und auch der 1939 ausgetretene und ins Exil gegangene Pribram) gestorben. Glaise-Horstenau saß als angeklagter Kriegsverbrecher im Gefängnis (und beging 1946 Selbstmord), ebenso war der “Reichsdeutsche” Theodor Mayer in Haft. Neben dem Vorsitzenden Srbik waren auch Bauer und die seit 1940 ernannten Brunner, Kallbrunner, Kiszling und Mayr wegen ihrer Verstrickung in den Nationalsozialismus aufgrund der Entnazifizierungsgesetze von allen amtlichen Funktionen ausgeschlossen, und auch der seit 1936 pensionierte Dopsch wäre wohl als Vorsitzender politisch nicht tragbar gewesen. Lediglich die 1943 bzw. 1944 für fünf Jahre bestellten Leo Santifaller und Alfred Mell besaßen die Legitimation, im Namen der Kommission zu agieren.

Schließlich war es Santifaller, der im Sommer 1946 die Initiative zur Wiederbelebung der Kommission ergriff. An einer Besprechung über die Neukonstituierung der Kommission am 27. März 1947 nahmen außer ihm selbst sechs in Wien lebende Eingeladene teil: Hugo Hantsch OSB, o. Prof. für Allgemeine Geschichte der Neuzeit; Alphons Lhotsky, ao. Prof. für Österreichische Geschichte; Paul Müller, ao. Prof. für Neuere Geschichte; August Loehr, Direktor des Kunsthistorischen Museums; Jakob Seidl, Leiter des Haus-, Hof- und Staatsarchivs und seit 1947 Direktor des Allgemeinen Verwaltungsarchivs; und Rudolf Geyer, Direktor des Wiener Stadtarchivs. Nicht erschienen waren der ebenfalls eingeladene Alfons Dopsch sowie die drei aus den Bundesländern Eingeladenen, deren Teilnahme auf Grund der Zeitverhältnisse ohnehin nicht erwartet worden war: Ignaz Philipp Dengel, Prof. für Neuere Geschichte an der Universität Innsbruck, und die beiden Landesarchivdirektoren Franz Martin (Salzburg) und Ignaz Zibermayr (Linz). Warum Santifaller zwar Dopsch (dessen Ernennung für fünf Jahre eigentlich 1945 abgelaufen war) einlud, nicht aber Mell, der erst 1944 auf fünf Jahre ernannt worden war, lässt sich nicht mehr feststellen.

Als Ergebnis dieser Besprechung wurden die überarbeiteten Statuten und ein Vorschlag zur Neubesetzung der Kommission beim Bundesministerium für Unterricht “mit dem Ansuchen um beschleunigte Erledigung” eingereicht. Die positive Erledigung erfolgte mit einem Erlass des Unterrichtsministers vom 11. Juni 1947: “… finde ich mich bestimmt, die Kommission für Neuere Geschichte Österreichs neu zu bilden und in diese Kommission für eine 5-jährige Funktionsperiode, das ist für die Zeit vom 1. Juni 1947 bis Ende Mai 1952, als Mitglieder zu berufen:”

  • Ignaz Philipp Dengel
  • Alfons Dopsch
  • Rudolf Geyer
  • Hugo Hantsch
  • Alphons Lhotsky
  • August Loehr
  • Franz Martin
  • Alfred Mell
  • Paul Müller
  • Leo Santifaller
  • Jakob Seidl
  • Ignaz Zibermayr

Für die konstituierende Sitzung der Kommission am 7. Juli 1947 ließen sich die “auswärtigen” Mitglieder Dengel, Martin und Zibermayr entschuldigen. Alle übrigen Mitglieder waren erschienen, nur Dopsch fehlte bei dieser und auch allen weiteren Sitzungen ohne Entschuldigung. Trotzdem wurde er auch 1952 wiederbestellt und blieb bis zu seinem Tod 1953 Mitglied der Kommission. Der vom Ministerium bis zur Konstituierung als ältestes Mitglied mit der Geschäftsleitung betraute August Loehr schlug Hugo Hantsch als Vorsitzenden vor, dessen Wahl darauf einstimmig per acclamationem erfolgte. Zum Stellvertreter wurde Leo Santifaller gewählt, zum weiteren Mitglied des nach den Statuten vorgesehenen Geschäftsausschusses Jakob Seidl.

Als Programm der Kommission wurde beschlossen, die Zentralverwaltung fortzusetzen und zwei bereits 1944 zur Veröffentlichung angenommene Manuskripte von Anna Coreth und Hugo Hassinger zu publizieren. Doch wurde in den folgenden beiden Jahren, vor allem aus Geldmangel, weder etwas veröffentlicht noch wurden Forschungen selbst in Auftrag gegeben oder finanziell gefördert. 1949 wurden dafür zwei Projekte wiederaufgegriffen, die ebenfalls bereits in den 1930er Jahren angeregt bzw. begonnen worden waren: die Edition der Memoiren von Anton Ritter von Schmerling und die Wiederaufnahme der Edition des Nachlasses Graf Leo Thun. Beide Projekte kamen in den folgenden Jahrzehnten nicht über Absichtserklärungen hinaus.

Im Jahr 1950 wurde die Kommission durch Publikationen erstmals seit Ende des Krieges wieder öffentlich sichtbar. Es erschienen zwei weitere Bände der Zentralverwaltung, bearbeitet wie bereits der 1934 erschienene Band und auch alle weiteren Bände bis zum Abschluss der Reihe 1970 von Friedrich Walter. Auch die bereits seit längerem zum Druck angenommene Arbeit von Anna Coreth über die Geschichtsschreibung in der Barockzeit wurde in diesem Jahr publiziert, im nächsten Jahr folgte Hugo Hassingers Biographie des Merkantilisten Johann Joachim Becher (1635-1682). Alle Bände wurden mit Hilfe von zweckgebundenen Subventionen des Unterrichtsministeriums und mit Zuschüssen anderer Stellen gedruckt. Dies zeigt das grundsätzliche Problem der Arbeit der Kommission in den nächsten Jahrzehnten auf. Inhaltlich fehlte die Formulierung von langfristig angelegten großen Forschungsvorhaben, wie sie die Frühzeit der Kommission geprägt hatten. Finanziell war sie von punktuellen, zweckgebundenen Zuschüssen des Ministeriums abhängig, ohne über ein festes Jahresbudget zu verfügen, mit dem eigene Forschungen in größerem Rahmen finanziert hätten werden können. Die Kommission wurde mehr und mehr zum Publikationsort für kleinere Editionen und Monographien zur Geschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und schließlich ab Mitte der 1960er Jahre zur Druckanstalt für von den Mitgliedern eingereichte Dissertationen.

In den Jahren 1953 und 1954 erschien mit den beiden von Fritz Fellner bearbeiteten Bänden des politischen Tagebuchs Josef Redlichs eine Arbeit, bei der die Kommission nicht nur den Druck über Zuschüsse förderte, sondern auch die Forschungsarbeit selbst finanziell unterstützte. Der Bearbeiter hatte 1950/51 für zehn Monate ein Stipendium von monatlich 500 Schilling erhalten. Dieses Schema wurde in den folgenden Jahren beibehalten. Für einzelne Projekte wurden punktuell oder auch laufend Honorare bewilligt (so etwa für die Bearbeiterin der nie erschienenen Briefe Kaiser Leopolds I. an Emerich Sinelli durchgehend über zwanzig Jahre). Viele dieser Zuschüsse führten jedoch zu keinen erkennbaren Ergebnissen, da sie entweder mit keinem klaren Arbeitsauftrag verbunden waren oder den Beziehern keine längerfristigen Verträge angeboten werden konnten und somit die Tätigkeit für die Kommission nur ein kurzes Zwischenspiel bis zur Erlangung einer festen Anstellung darstellte, die dann wieder oftmals keinen Raum für die Fortsetzung der ursprünglichen Auftragsforschung zuließ.

Als letztlich nicht zur Ausführung gelangtes Großprojekt wurde in den Hantsch-Jahren gemeinsam mit der Historischen Kommission der Akademie der Wissenschaften eine zehnbändige Geschichte Österreichs geplant. Dieses Projekt kam jedoch nicht über das Konzeptstadium hinaus. Verwirklicht wurde es schließlich, unabhängig von Kommission und Akademie, am Ende des 20. Jahrhunderts durch Herwig Wolfram.

Ansonsten verschob sich die Publikationstätigkeit der Kommission mehr und mehr zu Arbeiten, die von außen herangetragen wurden. Aus eigenen Projekten erschienen dagegen die weiteren Bände der Österreichischen Zentralverwaltung, wobei der Bearbeiter, Friedrich Walter, dafür ein monatliches Honorar von der Kommission bezog. Auch die Arbeiten an der Ferdinand-Korrespondenz wurden 1960 wiederaufgenommen, erster Bearbeiter war Herwig Wolfram, der dann ab 1974 zunächst als Professor für Geschichte des Mittelalters und seit 1983 auch als Direktor des Instituts für österreichische Geschichtsforschung selbst der Kommission angehören sollte. Die von ihm gemeinsam mit Christiane Thomas erarbeitete Korrespondenz der Jahre 1531 und 1532 erschien schließlich in drei Lieferungen zwischen 1973 und 1984.

Hugo Hantsch, seit 1965 emeritiert, leitete die Kommission bis zur Neubestellung ihrer Mitglieder 1967, worauf einstimmig Erich Zöllner, seit 1962 Professor für Österreichische Geschichte an der Universität Wien und seit jenem Jahr auch Mitglied der Kommission, zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde.

In den zwanzig Jahren der Ära Hantsch hatte sich die Kommission personell so verändert:

In der ersten Funktionsperiode unter Hantsch (1947-1952) wurden 1950 drei neue Mitglieder ernannt: Die Professoren für Allgemeine Geschichte der Neuzeit Heinrich Benedikt (Wien), Karl Eder (Graz) und Hans Kramer (Innsbruck). Dagegen verstarben in diesem Zeitraum Ignaz Philipp Dengel (1947), Paul Müller (1848), Franz Martin (1950) und Jakob Seidl (1951).

Für die folgende Periode von 1952 bis 1957 wurde die bisherige Kommission unverändert wiederbestellt. 1953 wurde sie ergänzt durch Alexander Novotny, Dozent für Geschichte der Neuzeit an den Universitäten Graz und Wien und 1959 ao., 1963 o. Professor für dieses Fach in Graz, und 1956 durch den neuen Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs, Gebhard Rath. Alfons Dopsch, das letzte bereits vor dem Zweiten Weltkrieg erstmals ernannte Mitglied, starb 1953.

1957 ging man von der bisherigen Gepflogenheit, die Kommission unverändert wiederzubestellen, ab. Der neuen Kommission gehörten Hans Kramer und der bereits seit 1947 pensionierte Ignaz Zibermayr nicht mehr an. Dafür wurden drei neue Mitglieder ernannt: Für Kramer als Innsbrucker Franz Huter, Professor für Österreichische Geschichte und Allgemeine Wirtschaftsgeschichte, für Zibermayr der neue Direktor des Oberösterreichischen Landesarchivs (und ab 1961 Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Wiener Universität) Alfred Hoffmann sowie Friedrich Walter, der langjährige Bearbeiter der Zentralverwaltung und seit 1956 Dozent für Historische Hilfswissenschaften und Österreichische Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte, ab 1959 tit. ao. Professor für Neuere Geschichte in Wien. 1960 folgte noch Friedrich Engel-Janosi, der 1959 als Hon.-Prof. für Neuere Geschichte aus den USA an die Universität Wien zurückgekehrt war. In der Periode bis 1962 starben Rudolf Geyer (1958), Karl Eder (1961) und 1962 mit Alfred Mell das neben Leo Santifaller letzte Mitglied, das noch im Zweiten Weltkrieg der “Kommission für die neuere Geschichte des ehemaligen Österreich” angehört hatte.

Die letzte Kommission der Ära Hantsch (1962-1967) wurde ergänzt um Heinrich Fichtenau, neu ernannter Direktor des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Hermann Wiesflecker, Professor für Österreichische Geschichte in Graz, und Erich Zöllner, den zukünftigen Vorsitzenden. 1965 starb August Loehr.

Unter dem von 1967 bis 1984 amtierenden Vorsitzenden Erich Zöllner wandelte sich die Kommission noch stärker zu einem Publikationsorgan für von außen herangetragene Manuskripte, nunmehr überwiegend Dissertationen, die von einzelnen Mitgliedern betreut worden waren. An eigenen Forschungsergebnissen erschienen dagegen in diesem Zeitraum die letzten Bände der Österreichischen Zentralverwaltung und die jene Reihe abschließende “Österreichische Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte von 1500 bis 1955″ von Friedrich Walter, die 1972, vier Jahre nach seinem Tod, aus dessen Nachlass herausgegeben wurde. Auch der bereits erwähnte Band der Ferdinand-Korrespondenz von Wolfram/Thomas fällt in diesen Zeitraum. Ansonsten lässt sich bei den Publikationen eine Verschiebung weg von der frühen Neuzeit und hin zur Geschichte des späteren 19. und vor allem des 20. Jahrhunderts einschließlich der Zeitgeschichte bis 1945 feststellen.

Unter Erich Zöllner begann die Kommission allerdings ein neues Projekt, das sich über die Jahre zum größten aktuellen Forschungsvorhaben entwickeln sollte. Hans Wagner, der bereits seit 1959 für die Kommission den abschließenden achten Band der Tagebücher des Obersthofmeisters Maria Theresias, Fürst Johann Josef Khevenhüller-Metsch, bearbeitete (die ersten sieben Bände waren bereits 1907-1925, allerdings nicht in den Veröffentlichungen der Kommission, sondern als Auftragsarbeit der inzwischen nicht mehr existierenden “Gesellschaft für neuere Geschichte Österreichs” erschienen), schlug 1972, im Jahr des Erscheinens dieses Bandes, eine Auswahledition der Tagebücher des Grafen Karl Zinzendorf in drei Bänden vor. Die Planungen wurden bereits Anfang der 1980er Jahre auf sechs Bände ausgeweitet, und nunmehr erscheinen 2009, längst unter der Federführung von Grete Klingenstein, alleine vier Bände für den Zeitraum 1776-1782 unter dem Titel “Europäische Aufklärung zwischen Wien und Triest”. Das gesamte zu bearbeitende Material dieser Tagebücher umfasst jedoch 50 im Haus-, Hof- und Staatsarchiv liegende Bände.

Personell brachten die Zöllner-Jahre folgende Veränderungen:

1967 nicht wiederbestellt wurde der 1966 emeritierte Franz Huter (Innsbruck). Neu in die Kommission kamen 1967 Heinrich Lutz, Professor für Geschichte der Neuzeit in Wien, und Richard Plaschka, Professor für Osteuropäische Geschichte in Wien, das erste Mitglied seit dem Ausscheiden von Hans Uebersberger 1934, dessen Forschungsschwerpunkt im Osten des Kontinents lag. Ebenfalls noch in der bis 1972 dauernden Funktionsperiode bestellt wurden 1969 die beiden neu ernannten Wiener Professoren Gerald Stourzh (Geschichte der Neuzeit) und Adam Wandruszka (Österreichische Geschichte) sowie Hanns Leo Mikoletzky, seit 1968 Direktor des Staatsarchivs. Dagegen starben mit Friedrich Walter und Alphons Lhotsky (beide 1968) sowie dem ehemaligen Vorsitzenden Hugo Hantsch (1972) drei Mitglieder.

Der nächsten fünfjährigen Periode ab 1972 gehörte zunächst nur Hans Wagner als Neuling an. Er war seit 1966 Professor für Österreichische Geschichte an der Universität Salzburg und war das erste Mitglied der Kommission, das an dieser Anfang der 1960er Jahre wiedergegründeten Hochschule tätig war. Dagegen hielt man an der Gepflogenheit fest, dass auch inzwischen aus dem aktiven Dienst ausgeschiedene Mitglieder weiterhin der Kommission angehörten. Ergänzt wurde die Kommission 1973 durch den neuen Generaldirektor des Staatsarchivs, Walter Goldinger, durch Fritz Fellner, der Anfang der 1950er Jahre im Auftrag der Kommission die Redlich-Tagebücher bearbeitet hatte und seit 1964 den Lehrstuhl für Geschichte der Neuzeit in Salzburg innehatte, sowie durch Ludwig Jedlicka, Ordinarius für Zeitgeschichte in Wien, der jedoch bereits 1977 verstarb. Mit ihm gehörte der Kommission erstmals ein professioneller Zeithistoriker an. 1974 kam mit Herwig Wolfram, nunmehr emeritierter Professor für Geschichte des Mittelalters in Wien, ein weiteres Mitglied hinzu, das über die Forschungsarbeit, in diesem Fall der Habsburgerkorrespondenz, der Kommission seit langem verbunden war. Dagegen starb außer Jedlicka 1974 Leo Santifaller, der Wiederbegründer der Kommission nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die neue Kommission ab 1977 wurde zunächst nur um Richard Blaas, den neuen Generaldirektor des Staatsarchivs, erweitert. Dazu wurde 1978 mit Erika Weinzierl erstmals eine Frau und nach dem Tod Jedlickas wieder eine Vertreterin der Zeitgeschichte in die Kommission ernannt. Ebenfalls 1978 kam mit Helmut Rumpler (Professor für Neuere und Österreichische Geschichte) ein Vertreter der neuen Klagenfurter Universität in die Kommission, und 1979 folgte mit Rudolf Neck der Nachfolger von Blaas in der Leitung des Staatsarchivs. Dagegen starben mit Hanns Leo Mikoletzky (1978) und Gebhard Rath (1979) zwei Mitglieder, die ebenfalls zunächst als Generaldirektoren des Staatsarchivs ernannt worden waren. Friedrich Engel-Janosi starb 1978, Heinrich Benedikt 1981.

1982 wurde zunächst die bestehende Kommission unverändert wiederbestellt. Neu dazu kamen in den folgenden fünf Jahren die Professoren für Österreichische Geschichte Moritz Csáky (Graz), Wolfgang Häusler (Wien) und Ernst Wangermann (Salzburg), mit Grete Klingenstein (Allgemeine Geschichte der Neuzeit in Graz) eine zweite Frau, sowie Herbert Knittler (Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Wien) und Josef Riedmann (Geschichte des Mittelalters in Innsbruck). Gestorben sind im Zeitraum bis 1987 Alfred Hoffmann (1983), Heinrich Lutz und Alexander Novotny (beide 1986). 1985 trat dagegen zum ersten Mal seit 1945 mit Heinrich Fichtenau ein Mitglied der Kommission aus. Er war 1983 als Direktor des Instituts für österreichische Geschichtsforschung in den Ruhestand getreten.

In der Jahressitzung 1984 trat Erich Zöllner überraschend als Vorsitzender zurück und schlug als seinen Nachfolger Gerald Stourzh vor, der auch einstimmig gewählt wurde. Damit beginnt jene Phase, die gekennzeichnet ist durch die Bemühungen um eine Klärung der rechtlichen Stellung und der finanziellen Situation der Kommission. Dies führte schließlich zur Umwandlung in die rechtliche Form eines Vereins, die von Stourzh vorbereitet und unter seinem Nachfolger als Vorsitzenden ab 1990, Fritz Fellner, vollzogen wurde.

Schon seit 1981 erhielt die Kommission kein Jahresbudget des Wissenschaftsministeriums mehr, sondern lediglich Druckkostenzuschüsse über Einzelansuchen. Zur Finanzierung der Forschungsarbeit wurde man dagegen auf die Möglichkeiten der Drittmittelfinanzierung vor allem durch den Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) verwiesen, und diese Stelle sollte auch für die Finanzierung der Publikationskosten zunehmend in Anspruch genommen werden. Gerald Stourzh erachtete dies als nicht zielführend, um den Bestand der Kommission längerfristig sinnvoll abzusichern, vor allem weil auf Grund der Bestimmungen des Fonds nicht die Kommission als solche Fördermittel in Anspruch nehmen konnte, sondern nur Projekte, die von einem Mitglied ad personam eingereicht wurden, förderungswürdig waren. Die Kommission wäre damit de facto auf die Rolle als Herausgeberin der Veröffentlichungen reduziert worden, ohne selbst weiter eigene Forschungen durchführen zu können.

In ihren Forschungen und in ihrer Publikationstätigkeit setzte die Kommission unter der Leitung von Gerald Stourzh zunächst die bestehende Richtung fort: Weiterführung der Projekte Zinzendorf und Ferdinand-Korrespondenz im Rahmen der personellen wie finanziellen Möglichkeiten und Publikation von Manuskripten und kleineren Editionen, die von den Mitgliedern vorgelegt wurden. Darunter befanden sich mit dem abschließenden, dritten Band der von Peter Broucek bearbeiteten Erinnerungen des ehemaligen Mitglieds der Kommission Edmund Glaise-Horstenau, “Ein General im Zwielicht: Deutscher Bevollmächtigter General in Kroatien und Zeuge des Untergangs des ‘Tausendjährigen Reiches”, und dem Tagebuch des Diplomaten Josef Schöner zum Kriegsende (“Wiener Tagebuch 1944/45″) zwei bedeutende Quellen zur Spätphase des Zweiten Weltkriegs und zur Wiederbegründung Österreichs, die zu den am besten verkauften Publikationen der Kommission überhaupt gehören. Daneben nutzte die Kommission aber auch die gebotenen Fördermöglichkeiten, um jeweils für kürzere Zeiten und für punktuelle Aufgaben MitarbeiterInnen, vor allem kürzlich Promovierte oder kurz vor der Promotion Stehende, anzustellen.

Die Kommission wurde 1987 mit einer Ergänzung – dem neuen Generaldirektor des Staatsarchivs Kurt Peball – wiederbestellt. Sie wurde 1990 ergänzt durch die Professoren Ernst Bruckmüller und Michael Mitterauer (beide Wirtschafts- und Sozialgeschichte Univ. Wien), Ernst Hanisch (Neuere Österreichische Geschichte Univ. Salzburg) und Roman Sandgruber (Österreichische Wirtschafts- und Sozialgeschichte Univ. Linz) sowie die beiden Archivare Peter Csendes (Wiener Stadt- und Landesarchiv) und Alfred Ogris (Kärntner Landesarchiv). Im selben Jahr verstorben sind Walter Goldinger und Hans Wagner, der jedoch bereits seit einer schweren Erkrankung im Jahr 1981 nicht mehr an den Arbeiten der Kommission teilnehmen konnte.

In der Sitzung der Kommission im Dezember 1990 legte Gerald Stourzh einen neuen Statutenentwurf vor, der den Ausgangspunkt für die Neukonstituierung der Kommission ein Jahr später bilden sollte. In derselben Sitzung trat er wegen Arbeitsüberlastung als Vorsitzender zurück, worauf mit Fritz Fellner erstmals ein nicht in Wien Tätiger die Leitung der Kommission übernahm. Er führte die Verhandlungen über die Umwandlung in einen Verein zu Ende, wobei “der Charakter der Kommission als eines kleinen, aus dem Kreis der Universitätsprofessoren und leitenden Archivbeamten rekrutierten Gremiums” beibehalten werden sollte, wie er bei der Übersendung des endgültigen Statutenentwurfs an die Mitglieder am 21. Februar 1991 betonte. Am 19. Juni 1991 fand schließlich die letzte Sitzung der “alten” und anschließend die konstituierende Sitzung der “neuen”, nunmehr als Verein organisierten Kommission statt. Die Mitglieder der “alten” waren die Gründungsmitglieder der “neuen” Kommission, womit auch personell die Kontinuität betont wurde.

Gründungsmitglieder der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs als Verein waren:

  • Richard Blaas, Generaldirektor des Staatsarchivs i. R.
  • Ernst Bruckmüller, ao. Prof. f. Wirtschafts- und Sozialgeschichte Univ. Wien
  • Moritz Csáky, o. Prof. f. Österr. Geschichte Univ. Graz
  • Peter Csendes, stellv. Direktor des Wiener Stadt- und Landesarchivs
  • Fritz Fellner, o. Prof. f. Allgemeine Neuere Geschichte Univ. Salzburg
  • Ernst Hanisch, ao. Prof. f. Neuere Österr. Geschichte Univ. Salzburg
  • Wolfgang Häusler, o. Prof. f. Österr. Geschichte Univ. Wien
  • Grete Klingenstein, o. Prof. f. Allgemeine Geschichte der Neuzeit Univ. Graz
  • Herbert Knittler, o. Prof. f. Wirtschafts- und Sozialgeschichte Univ. Wien
  • Michael Mitterauer, o. Prof. f. Wirtschafts- und Sozialgeschichte Univ. Wien
  • Rudolf Neck, Generaldirektor des Staatsarchivs i. R.
  • Alfred Ogris, Direktor des Kärntner Landesarchivs
  • Kurt Peball, Generaldirektor des Staatsarchivs
  • Richard Plaschka, o. Prof. f. Osteuropäische Geschichte Univ. Wien
  • Josef Riedmann, o. Prof. f. Geschichte des Mittelalters Univ. Innsbruck
  • Helmut Rumpler, o. Prof. f. Neuere und Österr. Geschichte Univ. Klagenfurt
  • Roman Sandgruber, o. Prof. f. Österr. Wirtschafts- und Sozialgeschichte Univ. Linz
  • Gerald Stourzh, o. Prof. f. Geschichte der Neuzeit Univ. Wien
  • Adam Wandruszka, em. Prof. f. Österr. Geschichte Univ. Wien
  • Ernst Wangermann, o. Prof. f. Österr. Geschichte Univ. Salzburg
  • Erika Weinzierl, o. Prof. f. Neuere und Neueste Geschichte Univ. Wien
  • Hermann Wiesflecker, em. Prof. f. Österr. Geschichte Univ. Graz
  • Herwig Wolfram, o. Prof. f. Geschichte des Mittelalters Univ. Wien
  • Erich Zöllner, em. Prof. f. Österr. Geschichte Univ. Wien

Auch die bisherige Leitung der Kommission wurde in ihrer Funktion bestätigt, Vorsitzender blieb Fritz Fellner. Zu seinem Stellvertreter wurde Helmut Rumpler gewählt. Fellner leitete die Kommission über seine Emeritierung 1993 hinweg bis zum Ende des Jahres 2007.

Die Zahl der ordentlichen Mitglieder der neuen Kommission ist mit dreißig beschränkt, daneben besteht die Möglichkeit der Aufnahme außerordentlicher und fördernder Mitglieder. Um die Kooperation mit den universitären und maßgeblichen außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu gewährleisten, gehören der Kommission nach Möglichkeit neben ProfessorInnen aus dem Bereich der Neueren Geschichte Österreichs und leitenden Archivaren auch der Obmann der Historischen Kommission der Akademie der Wissenschaften, der Generaldirektor des Staatsarchivs sowie der Direktor des Instituts für österreichische Geschichtsforschung an. Dies waren bei der Konstitutierung 1991 Richard Plaschka (Historische Kommission), Kurt Peball (Staatsarchiv) und Herwig Wolfram (Institut für österreichische Geschichtsforschung). Ebenfalls in Kontinuität zur alten Kommission wurde die Funktionsperiode des Vorsitzenden sowie des Vorstands auf fünf Jahre festgelegt.

Als Ziele der Kommission wurden ebenfalls in Kontinuität mit ihrer bisherigen Tätigkeit die Durchführung von Forschungen zur neueren Geschichte Österreichs mit folgenden Schwerpunkten festgelegt:

  • Erfassung und Erschließung von Materialien in in- und ausländischen Archiven und Bibliotheken
  • Edition von Quellen und Publikation von Darstellungen
  • Förderung individueller Forschungsvorhaben
  • Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen im In- und Ausland

Seit dem Jahr 1991 erhielt die Kommission eine jährliche Basissubvention des Wissenschaftsministeriums und war damit erstmals seit 1945 wieder in der Lage, kontinuierlich eigene Forschungen durchzuführen und dafür auch qualifizierte MitarbeiterInnen anzustellen. Ebenfalls seit 1991 verfügt die Kommission durchgehend über einen eigenen Sekretär, der neben den administrativen Agenden und der Koordination der Forschungsprojekte auch ihm zugewiesene Forschungsarbeiten durchführt.

Das größte Projekt in der Ära Fellner war und ist auch weiterhin die Edition der Zinzendorf-Tagebücher. Als Ergebnis der Frühphase dieses Projekts erschien 1997 der noch von Hans Wagner konzipierte Band “Aus den Jugendtagebüchern 1747, 1752 bis 1763″. Die Neukonzeption und Leitung des Projekts übernahm jedoch Grete Klingenstein. 2009 erschienen als erstes Ergebnis dieses Langzeitprojekts die Tagebücher der Jahre 1776-1782 unter dem Titel “Europäische Aufklärung zwischen Wien und Triest”.

Als vorläufig letztes Ergebnis der Ferdinand-Korrespondenz erschienen 2000 die Jahre 1533 und 1534, bearbeitet von Christopher Laferl und Christina Lutter. Nachdem die Kommission selbst in den folgenden Jahren nicht mehr aktiv wurde, nahm Christopher Laferl, nunmehr Professor für Romanistik an der Univ. Salzburg und seit 2009 Mitglied der Kommission, im Jahr 2005 die Arbeiten an der Ferdinand-Korrespondenz wieder auf. Als erstes Ergebnis dieser, über ein FWF-Projekt unabhängig von der Kommission finanzierten Arbeiten soll die Edition der Jahre 1535 und 1536 in den Veröffentlichungen publiziert werden.

Aus der Geschichte des 19. Jahrhunderts brachte die Kommission in der Ära Fellner mehrere Editionsprojekte zum Abschluss und zur Publikation. Vom Sekretär, Franz Adlgasser, bearbeitet wurden die Aufzeichnungen Heinrich Friedjungs (“Geschichte in Gesprächen. Aufzeichnungen 1898-1919″; gemeinsam mit Margret Friedrich, die ihn 1992-1993 als Sekretärin vertrat), sowie die Familienkorrespondenz der Aehrenthals 1872-1911. Die Edition der Tagebücher von Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1839-1858), ebenfalls bearbeitet vom Sekretär, ist abgeschlossen und steht vor der Drucklegung. Die Arbeiten an den Aufzeichnungen von Josef Alexander Freiherr von Helfert wurden vorläufig eingestellt.

Die Publikationstätigkeit konzentrierte sich in der Ära Fellner auf Arbeiten und Editionen zur Geschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, hier vor allem des Ersten Weltkriegs und seiner unmittelbaren Folgen. Zuletzt erschien das von Fritz Fellner gemeinsam mit Doris Corradini herausgebrachte biographisch-bibliographische Lexikon “Österreichische Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert”.

Um die Beziehungen zu Forschungsstätten zur österreichischen Geschichte in den USA, vor allem zum Center for Austrian Studies in Minneapolis, zu intensivieren, war seit 1995 im Rahmen eines Projekts eine Mitarbeiterin für diesen Bereich angestellt. Da die dafür zweckgebundene Finanzierung mit Jahresende 2001 auslief, musste dieses Projekt inzwischen eingestellt werden.

In den 17 Jahren unter der Leitung von Fritz Fellner erlebte die Kommission folgende Veränderungen in ihrer Zusammensetzung: Neu hinzu kamen die ProfessorInnen für Neuere Geschichte Elisabeth Garms-Cornides (Graz), Margarete Grandner und Lothar Höbelt (beide Wien), für Österreichische Geschichte Hanns Haas (Salzburg), Brigitte Mazohl (Innsbruck), Alfred Kohler und Thomas Winkelbauer (beide Wien) sowie Arnold Suppan (Osteuropäische Geschichte Univ. Wien) als Obmann der Historischen Kommission der ÖAW und Karl Brunner (Geschichte des Mittelalters Univ. Wien) als Direktor des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, ferner die Archivare Lorenz Mikoletzky als Direktor des Staatsarchivs sowie Michael Hochedlinger (Staatsarchiv) und Gernot Obersteiner (Steiermärkisches Landesarchiv). Verstorben sind der ehemalige Vorsitzende Erich Zöllner (1996) sowie Adam Wandruszka (1997), Rudolf Neck (1999), Richard Plaschka (2001) und Richard Blaas (2004). Ausgetreten sind nach ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst Kurt Peball, Herwig Wolfram und Alfred Ogris sowie Michael Mitterauer und Josef Riedmann.

Mit Jahresende 2007 trat Fritz Fellner sowohl als Vorsitzender als auch als ordentliches Mitglied zurück, wurde aber gleichzeitig das erste fördernde Mitglied der Kommission. Er ist der Kommission seit seiner Zeit als Stipendiat 1950/51 verbunden, gehörte ihr als Mitglied seit 1973 an und leitete sie seit 1990.

Zur neuen Vorsitzenden wurde Brigitte Mazohl, o. Prof. für Österreichische Geschichte an der Universität Innsbruck und seit 1993 Mitglied der Kommission, gewählt. Stellvertreter blieb Helmut Rumpler.

Seit 2008 kam als neuer Schwerpunkt der Forschung der Kommission die Edition des Nachlasses von Graf Leo Thun, Minister für Kultus und Unterricht von 1849 bis 1860, hinzu, womit ein bereits in den 1930er Jahren begonnenes, aber am Ende des Zweiten Weltkriegs eingestelltes Projekt wiederaufgenommen wurde. Das Projekt Zinzendorf wird fortgesetzt und die Ferdinand-Korrespondenz wurde durch die Aufnahme von Christopher Laferl als Mitglied wieder enger an die Kommission gebunden. Fortgesetzt werden weiters die unter der Leitung von Lothar Höbelt stehenden Projekte Edition der Tagebücher Graf Egbert Belcredi und Korrespondenz des Konservativen Großgrundbesitzes. Michael Hochedlinger erarbeitet ein Projekt zur Erstellung eines Katasters der Nachlässe, Familien- und Adelsarchive in Österreich und den umliegenden Staaten.

Seit 2008 wurden als neue Mitglieder in die Kommission aufgenommen: Die ProfessorInnen Gabriele Haug-Moritz (Neuere Geschichte Univ. Graz), Christopher Laferl (Romanistik Univ. Salzburg), Reinhard Stauber (Neuere und Österreichische Geschichte Univ. Klagenfurt) und Arno Strohmeyer (Neuere Geschichte Univ. Salzburg) sowie Hans Petschar, Leiter des Bildarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek, Thomas Just, Direktor des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, sowie Stefan Malfèr (Projekt Österreichische Ministerratsprotokolle 1848-1867) und Franz Adlgasser, beide Kommission für die Geschichte der Habsburgermonarchie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.  Ausgeschieden sind die seit längerem emeritierten Erika Weinzierl, Herbert Knittler und Moritz Csáky sowie Roman Sandgruber.

Quellen:

Fritz Fellner, “… ein wahrhaft patriotisches Werk”. Die Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 1897-2000. Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 91, Wien-Köln-Weimar 2001.

Fritz Fellner und Doris A. Corradini, Österreichische Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon. Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 99, Wien-Köln-Weimar 2006.

Archiv der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs.