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„… ein wahrhaft patriotisches Werk der österreichischen Geschichtsforschung...“

„… ein wahrhaft patriotisches Werk der österreichischen Geschichtsforschung…“

Helfert Tagebücher

Josef Alexander (seit 1854 Freiherr von) Helfert (1820-1910) ist eine zentrale Figur des konservativ-katholischen Lebens der Habsburgermonarchie seit 1848 und war prägend für eine spezifische Ausformung eines schwarz-gelben Österreichpatriotismus. Seit seiner Wahl in den konstituierenden Reichstag 1848 war er bis zu seinem Tod öffentlich tätig. So war er von November 1848 bis 1863 oberster Beamter das Unterrichtsressorts, leitete als Präsident von 1863 bis zu seinem Tod die Zentralkommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale, war in zahlreichen Vereinen aktiv (1860-1901 Präsident des Österr. Volksschriftenvereins, 1892 Mitgründer und bis 1910 Präsident der Österr. Leo-Gesellschaft zur Förderung von Wissenschaft und Kunst auf christlicher Grundlage, Präsident der k.k. Geographischen Gesellschaft, des Wiener Altertumsvereins, Vizepräsident der Gesellschaft der Musikfreunde etc.), und seit 1881 Mitglied des österreichischen Herrenhauses. Trotz dieses langen öffentlichen Wirkens und seines umfangreichen, um nicht zu sagen überwältigenden, historischen und autobiografischen Werkes (vor allem, aber bei weitem nicht darauf begrenzt, zur Revolution von 1848/49), wodurch er in beinahe allen Arbeiten zu jener Zeit explizit oder implizit präsent ist, fehlt eine umfassende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit seinem Leben, Wirken und seiner Weltanschauung im Wandel dieses langen aktiven öffentlichen Lebens.

Helfert war nicht nur ein äußerst produktiver Historiker und Publizist, er hinterließ auch einen umfangreichen Nachlass, vor allem tagebuchähnliche Aufzeichnungen von 1856 bis 1908 (ergänzt durch die erhaltenen Kalender mit täglichen Eintragungen) und begleitende Korrespondenz, der sich im Mährischen Landesarchiv in Brünn befindet. Eine Edition dieses Bestandes, ergänzt durch zusätzliche Materialien aus anderen Archiven, erschließt eine maßgebliche Quelle nicht nur zur öffentlichen und privaten Person Helfert, sondern vor allem zur in weiten Bereichen ungeschriebenen Geschichte des konservativ-katholischen Lagers und seiner Protagonisten in einer einzigartigen Kontinuität (vergleichbar den ebenfalls weitgehend unedierten Tagebüchern des liberalen Großgrundbesitzers Josef Maria Baernreither). Als Beispiele seien hier nur genannt die Bildung der Ministerien Potocki und Hohenwart und die Verhandlungen um einen böhmischen Ausgleich1870-1871, das Verhalten im Gründerboom und Börsenkrach 1873, der Versuch zur Schaffung eines katholisch-österreichischen Reichspatriotismus durch die Tätigkeit des Österreichischen Volksschriftenvereins, oder die Funktion der Leo-Gesellschaft als Schnittstelle zwischen katholischen Wissenschaftlern und politischer Öffentlichkeit. Darüber hinaus gibt der Bestand entscheidende Einblicke in Helferts Arbeit als Historiker und bietet dadurch eine entscheidende Quelle zum Verständnis seiner Arbeiten, die bis heute – vor allem durch ihre Vorbildwirkung in der faktischen Darstellung – prägend sind für sämtliche Arbeiten zur Revolutionsperiode 1848/49.

Ziel des Projekts ist die Edition der persönlichen Aufzeichnungen Helferts ergänzt um weitere Materialien aus dem Nachlass Helfert (Mährisches Landesarchiv Brünn) sowie aus korrespondierenden Beständen anderer Archive. Begleitet soll die Edition mit einer biografischen Einleitung zu Leben und Werk Helferts werden. Die Aufzeichnungen, Kalender und die umfangreiche Korrespondenz versprechen die Erschließung eines intensiven Netzwerks konservativen Denkens in Österreich von der Revolution 1848 bis in das frühe 20. Jahrhundert.

Kontakt: Dr. Franz Adlgasser Email
o. Univ. Prof. Dr. Brigitte MazohlEmail