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„… ein wahrhaft patriotisches Werk der österreichischen Geschichtsforschung...“

„… ein wahrhaft patriotisches Werk der österreichischen Geschichtsforschung…“

Nachruf auf Helmut Rumpler (1935–2018)

Die Kommission für Neuere Geschichte Österreichs trauert, wie viele andere wissenschaftliche Institutionen, für die er unermüdlich tätig war, um ihr langjähriges Mitglied und Vorstandsmitglied Helmut Rumpler, der am 10. Februar 2018 völlig überraschend gestorben ist.

Helmut Rumpler (1935 in Wien geboren) war in den Jahren 1975–2003 als Professor für Neuere und Österreichische Geschichte an der Universität Klagenfurt tätig. Neben der Kärntner Geschichte und den kärntnerisch-slowenischen Konflikt war die Geschichte der Habsburgermonarchie als Vielvölkerstaat sein großes Lebensthema. Seine bedeutende Monographie „Eine Chance für Mitteleuropa“, dem „langen“ 19. Jahrhundert in der Habsburgermonarchie gewidmet, ist eine der wichtigsten Hinterlassenschaften dieses bedeutenden Historikers.

Bereits in jungen Jahren wurde Helmut Rumpler im Jahr 1961 als Sekretär bei der Kommission für die Geschichte der Habsburgermonarchie an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften angestellt, später wirkte er bis zur Auflösung der Kommission als deren langjähriger Obmann. Die von ihm betreuten Bände zur Geschichte der Habsburgermonarchie haben den Ruf der österreichischen Geschichtswissenschaft weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt gemacht. Seit seiner Dissertation über „Die nationalen Probleme in Österreich unter der Ministerpräsidentschaft Max von Hussareks“ (Promotion 1963) war ihm die Nationalitätenthematik der Habsburgermonarchie ein besonders Anliegen.

Auch die Kommission für Neuere Geschichte Österreichs verliert mit Helmut Rumpler eines ihrer langjährigen engagiertesten und aktivsten Mitglieder. Seine erste Tätigkeit für die Kommission reicht in das Jahr 1964 zurück, als er als Assistent des damaligen Vorsitzenden Hugo Hantsch Sekretär der Kommission war und diese Tätigkeit bis 1967 ausübte. Er betreute damals die Publikationen der Kommission, insbesondere zur österreichischen Geschichte des 19. Jahrhunderts, zugleich arbeitete er aber auch an seinem eigenen Habilitationsprojekt zur Politik des Freiherrn von Beust, wofür 1967 von der Kommission ein Stipendium beantragt (aber vom Ministerium nicht bewilligt) wurde. 1972 erschien in der Reihe der Kommission (Bd. 57) Rumplers Habilitationsschrift: „Die deutsche Politik des Freiherrn von Beust 1848 bis 1850. Zur Problematik mittelstaatlicher Reformpolitik im Zeitalter der Paulskirche“. Sein älterer Kollege Fritz Fellner, langjähriger Obmann der Kommission, war beeindruckt von der Mischung zwischen genauester Detailforschung und breiten übergeordneten Leitfragen, in welche diese eingebunden war, und von der stupenden Literaturkenntnis des Habilitationswerbers. Was dem jungen Historiker damals bescheinigt wurde, zeichnete ihn auch in seinem weiteren Forscherleben aus. Wenn für jemanden der Ruf „ad fontes!“ zugetroffen hat, dann für Helmut Rumpler, dem der Weg zu den Quellen stets der Königsweg des Historikers schlechthin war.

Als Mitglied gehörte Helmut Rumpler der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs seit 1978 an, zwölf Jahre später (1990) wurde er zum Stellvertreter des Vorsitzenden, damals Fritz Fellner, gewählt. In dieser Zeit (1991) wurde die Kommission aus organisatorischen Gründen in einen Verein umgewandelt, ein Prozess, den Fellners Vorgänger Gerald Stourzh bereits eingeleitet hatte. Gemeinsam erreichte der neue/alte Vorstand (Fellner, Rumpler, Stourzh) damals bei Minister Busek eine ausreichende Basissubvention, um die wissenschaftlichen Arbeiten der Kommission weiterhin zu ermöglichen.

Auch nachdem die Obmannschaft von Fritz Fellner auf Brigitte Mazohl übergegangen war (2007) blieb Helmut Rumpler stellvertretender Vorsitzender und er hat in dieser Form zahlreiche wichtige Projekte der Kommission mitgetragen. U.a. geht die Initiative zur Edition der Helfert-Tagebücher, die nunmehr Franz Adlgasser übernommen hat, auf seine Anregung zurück. Im Jahr 2012 brachte Helmut Rumpler gemeinsam mit Kurt Scharr und Constantin Ungureanu den Band über den Franziszeischen Kataster in der Bukowina heraus (Bd. 112) – auch dies ein Projekt, das ihm in den letzten Jahren sehr wichtig geworden war.

Mit unerschöpflichem Elan hat Helmut Rumpler noch im letzten Jahr mitgetragen und unterstützt von der Kommission einen Antrag für ein großes Forschungsvorhaben ausgearbeitet, nämlich die Edition von Dokumenten der „Österreichisch-Ungarischen Außenpolitik von 1914–1918“. Dass dieser Antrag beim FWF abgelehnt wurde, hat ihn sehr getroffen, dennoch war er entschlossen, auch in bescheidenerem Rahmen an diesem Vorhaben weiterzuarbeiten.
Er hatte noch so viele Pläne im Dienste der österreichischen Geschichtswissenschaft und zur Aufarbeitung der österreichischen Geschichte – manche davon werden hoffentlich in seinem Sinne weitergeführt werden. Die Kommission für Neuere Geschichte Österreichs wird das Ihre dazu beitragen und sich seiner stets mit Dankbarkeit, Respekt und Freundschaft erinnern.
Sein unerwarteter Tod bedeutet einen großen Verlust für die Kommission, ja für die österreichische Geschichtswissenschaft insgesamt.
Brigitte Mazohl